Held Kurt

Kurt Held, Pseudonym von Kurt Kläber, wurde am 4. November 1897 in Jena geboren. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium, welches er aber im Alter von vierzehn Jahren verliess, um eine Schlosserlehre zu machen und anschliessend als Mechaniker zu arbeiten. Schon früh war er in der „Wandervogel“-Bewegung aktiv und durchreiste grosse Teile Europas zu Fuss. 1914 wurde Held als Soldat eingezogen und kämpfte im Ersten Weltkrieg. Verwundet und schwer an Typhus erkrankt kehrte er aus dem Krieg zurück. Held trat der KPD und dem Spartakusbund bei und engagierte sich offen in politischen Angelegenheiten. Als fahrender Buchhändler und Bergmann begab er sich wieder auf Wanderschaft und begann mit sozialkritischer Lyrik, Novellen und Romanen sich mit der Not des Proletariats auseinander zu setzen. In den Zwanziger Jahren galt Held als einer der führenden Vertreter der kommunistischen Literatur. 1924 heiratete er die Märchenerzählerin Lisa Tetzner. 1933 emigrierte Held, der sich offen gegen den Nationalsozialismus stellte, nach kurzer Haftzeit nach Carona (Tessin). In enger Zusammenarbeit mit seiner Frau schrieb er im Exil zahlreiche realistisch-moralische Jugendbücher. In all seinen Werken zeigte der Autor die Kinder als die wahren Leidtragenden von Krieg, sozialem Gefälle und ungerechter Gesellschaftsordnung. Seine Bücher erreichten zahlreiche Auflagen und wurden in viele Sprachen übersetzt. Das bekannteste Werk „Die Rote Zora“ gilt heute als Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Kurt Held starb am 9. Dezember 1959 in Sorengo (Kt.Tessin).

Links
www.srf.ch/unterhaltung/people/schweiz/die-schwarzen-brueder-feiert-in-zuerich-weltpremiere

Werke:
  • Neue Saat. Gedichte. Jena: Volksbuchhandlung, 1919
  • Empörer! Empor! Gedichte, Skizzen, Reiseberichte. Berlin: Verlag Der Syndikalist, 1925
  • Revolutionäre. Erzählungen aus den Kämpfen des Proletariats 1918-1925: Leipzig: Roter-Türmer-Verlag, 1925
  • Barrikaden an der Ruhr. Roman. 1925
  • Passagiere der 3.Klasse. Roman. Berlin: Internationaler Arbeiter-Verlag, 1927
  • Die Toten von Pabjanice. Erzählungen. Moskau: Verlagsgenossenschaft ausländ. Arbeiter in der UdSSR, 1936
  • Die rote Zora und ihre Bande. Eine Erzählung aus Dalmatien für die Jugend. Aarau: Sauerländer, 1941
  • Der Trommler von Faido. Historische Erzählung aus der Levantina. 2 Bde. Aarau: Sauerländer, 1947 / 1949
  • Matthias und seine Freunde. Aarau. Sauerländer, 1950
  • Spuk in Neuhausen. Berlin: Weiss, 1951
  • Alles für zwanzig Rappen. Erlebnisse eines kleinen Ausreissers. Aarau: Sauerländer, 1951
  • Giuseppe und Maria. 4 Bde. Aarau: Sauerländer, 1955-56 (Die Reise nach Neapel, Von Schmugglern, Zöllnern und Soldaten, Die Kinderstadt, Der Prozess)
  • Mein Bruder Georg. Gütersloh: Rufer-Verlag, 1955

Textausschnitt aus "Die rote Zora" [S. 50-51]

Branko, der sich an das Mädchen geklammert hatte, konnte nun auch seine Beine herausziehen. Er sah nach unten. Das Fenster lag gar nicht so hoch wie von der Zelle aus.
„Spring jetzt“, sagte das Mädchen, „sonst erwischen sie dich doch noch.“
Branko sprang. In dem Augenblick hatte Begovic die Tür geöffnet und trat in die Zelle.
„Hier“, sagte er und wollte Branko das Essen reichen. Da sah er den Pfahl und den leeren Raum.
„Verdammt“, jammerte er, „der Kerl ist ausgerissen, und gleich kommt der Bürgermeister, um sich ihn anzusehen.“
Da blickte er nach oben.
Branko war verschwunden, aber Zora sass noch auf dem Fenster.
Sie streckte ihm die Zunge heraus.
„Auf Wiedersehen, Begovic!“ rief sie.
Begovic liess entsetzt die Schüssel mit dem Essen fallen, riss die Augen auf und starrte zum dem Mädchen hinauf.
„Bin ich betrunken“, stotterte er. „Ich habe doch einen Jungen eingesperrt, und jetzt reisst ein Mädchen aus.“
Das Mädchen schüttelte die Haare. „Ich bin auch ein Mädchen“, lachte sie, „und damit du weißt, wer ich bin: Ich bin die rote Zora.“
Im gleichen Augenblick liess sie die Stäbe los und war gleichfalls verschwunden.

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